Ein bisschen verspätet aber dennoch muss noch eine kleine Berichterstattung meines Buchmessebesuchs kommen. Wochenlang schleppe ich jetzt schon die verstörenden Bilder von Unmengen „Cosplay“ praktizierenden Menschen in mir und komme nicht drum herum meine Erfahrung zu publizieren.
Ich, ein nichts ahnender bodenständiger Comicliebhaber vom Lande, mache mich also an einem Samstag auf den Weg in die große Stadt, um doch noch einen Blick auf die Messe die mit Begriffen wie „Faszination Comic“, „riesige Comichalle“ und „Comiccenter“ natürlich anziehend wirbt.
Schon bei der Zugfahrt zog ein als „Ruffy“ (von One Piece) verkleidetes Mädchen und ihr Freund, der sich als „Ranma“ (Ranma ½) identifizierte, meine gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Gehört hatte ich schon in ein paar Nebensätzen, dass es wohl einen neuen Trend gab, bei dem (junge) Leute ihr Verlangen nach vollkommener Synthese mit ihren Mangahelden auf ihre Kleidung und ihr Aussehen übertragen, aber mit solchen Wesen wirklich in einem Zug zu sitzen hatte eine gewisse Faszination. Im Laufe des Tages wurde das selbstverständlich noch getoppt. Eigentlich war klar, dass diese zwei nicht annähernd an das herankommen was die Spitze dieses neuen Kultes noch so präsentieren kann. Ruffy und Ranma sind zeichnerisch einfacher gestrikte Charaktere. Richtige Verkleidungstechnische Verrenkungen treten dann bei den feiner detaillierten Figuren, wie die der „Final Fantasy“ Saga, auf und so kann es passieren, dass eine mit Pelz und Ledermantel ausstaffierte und kettenbehangene „Lulu“ durch die Menge wankt, die dank ihren akribisch über das Auge gekämmten Haaren nur noch die Hälfte der Buchmesse bewundern kann.
In der Comichalle war die Präsenz der Cosplayakteure unübertroffen. Überall gingen und standen Mangamenschen, sie bildeten Grüppchen und pöbelten, wenn ich mit einem einfachen Supermanshirt vorbeihuschte. Den Kern der Bewegung bilden natürlich jüngere Fans, aber vereinzelt waren auch echt alte Mangaexemplare zu beobachten, die für mich einen noch skurrileren Eindruck machten. Die Buchmesse ist mit ihrer Tendenz zur Ausweitung des Comicbereiches, um auch jüngeres Publikum anzusprechen natürlich der perfekte Catwalk für jeden Freund des Cosplays, der ein bisschen Präsenz zeigen will. Zusätzlich zu der Chance sich publik zeigen zu können, lockte auch noch ein Wettbewerb für den mangaverehrenden Teil der Besucher irgendwo in der Nähe der Messe. Trotzdem sollte man nicht auf den irrtümlichen Gedanken kommen, dass diese Fanatiker sich nur zu bestimmten Anlässen verkleiden. Tatsächlich gibt es viele, die sich Tag für Tag in ihre Kluft schmeißen, um ihrem Idol näher zu kommen.
Alles in Allem sehr spannend zu beobachten. Teilweise war es ein bisschen zu billig und kitschig, so dass die Cosplays noch irgendwie ästhetisch wirken konnten, aber generell bin ich keinem Trend abgeneigt, der ein bisschen Pep in die öde träge Masse bringt und einen anregenden Effekt hat. Das kriegt diese Bewegung auf jeden Fall hin. Mal schauen wie viele das noch werden.
-Till