HIRNWICHSE. (wir ♥ comics)

Sweet Tooth is back.

4. November 2009 · 1 Kommentar

lemireDas Unglaubliche ist geschehen. Nach längerer Wartezeit informierte mich Malte, dass die bearbeiteten „Sweet Tooth“ Ausgaben von Jeff Lemire wieder zurück sind. Auch wir haben sein Angebot zur Erscheinung von Sweet Tooth #1 genutzt und Malte hat die Sammelbestellung über den Ozean geschickt. Irgendwie hat es Lemire geschafft all die Einsendungen zu verschönern und Band zwei pünktlich herauszubringen. Möge ihm seine überwältigende zeichnerische Potenz erhalten bleiben. Klasse Deal und dankschön.

-Till

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Mangainvader überfluten Buchmesse

2. November 2009 · 4 Kommentare

luluEin bisschen verspätet aber dennoch muss noch eine kleine Berichterstattung meines Buchmessebesuchs kommen. Wochenlang schleppe ich jetzt schon die verstörenden Bilder von Unmengen „Cosplay“ praktizierenden Menschen in mir und komme nicht drum herum meine Erfahrung zu publizieren.

Ich, ein nichts ahnender bodenständiger Comicliebhaber vom Lande, mache mich also an einem Samstag auf den Weg in die große Stadt, um doch noch einen Blick auf die Messe die mit Begriffen wie „Faszination Comic“, „riesige Comichalle“ und „Comiccenter“ natürlich anziehend wirbt.

Schon bei der Zugfahrt zog ein als „Ruffy“ (von One Piece) verkleidetes Mädchen und ihr Freund, der sich als „Ranma“ (Ranma ½) identifizierte, meine gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Gehört hatte ich schon in ein paar Nebensätzen, dass es wohl einen neuen Trend gab, bei dem (junge) Leute ihr Verlangen nach vollkommener Synthese mit ihren Mangahelden auf ihre Kleidung und ihr Aussehen übertragen, aber mit solchen Wesen wirklich in einem Zug zu sitzen hatte eine gewisse Faszination. Im Laufe des Tages wurde das selbstverständlich noch getoppt. Eigentlich war klar, dass diese zwei nicht annähernd an das herankommen was die Spitze dieses neuen Kultes noch so präsentieren kann. Ruffy und Ranma sind zeichnerisch einfacher gestrikte Charaktere. Richtige Verkleidungstechnische Verrenkungen treten dann bei den feiner detaillierten Figuren, wie die der „Final Fantasy“ Saga, auf und so kann es passieren, dass eine mit Pelz und Ledermantel ausstaffierte und kettenbehangene „Lulu“ durch die Menge wankt, die dank ihren akribisch über das Auge gekämmten  Haaren nur noch die Hälfte der Buchmesse bewundern kann.

In der Comichalle war die Präsenz der Cosplayakteure unübertroffen. Überall gingen und standen Mangamenschen, sie bildeten Grüppchen und pöbelten, wenn ich mit einem einfachen  Supermanshirt vorbeihuschte. Den Kern der Bewegung bilden natürlich jüngere Fans, aber vereinzelt waren auch echt alte Mangaexemplare zu beobachten, die für mich einen noch skurrileren Eindruck machten. Die Buchmesse ist mit ihrer Tendenz zur Ausweitung des Comicbereiches, um auch jüngeres Publikum anzusprechen natürlich der perfekte Catwalk für jeden Freund des Cosplays, der ein bisschen Präsenz zeigen will. Zusätzlich zu der Chance sich publik zeigen zu können, lockte auch noch ein Wettbewerb für den mangaverehrenden Teil der Besucher irgendwo in der Nähe der Messe. Trotzdem sollte man nicht auf den irrtümlichen Gedanken kommen, dass diese Fanatiker sich nur zu bestimmten Anlässen verkleiden. Tatsächlich gibt es viele, die sich Tag für Tag in ihre Kluft schmeißen, um ihrem Idol näher zu kommen.

Alles in Allem sehr spannend zu beobachten. Teilweise war es ein bisschen zu billig und kitschig, so dass die Cosplays noch irgendwie ästhetisch wirken konnten, aber generell bin ich keinem Trend abgeneigt, der ein bisschen Pep in die öde träge Masse bringt und einen anregenden Effekt hat. Das kriegt diese Bewegung auf jeden Fall hin. Mal schauen wie viele das noch werden.

-Till

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Crimecollector: Noir

30. Oktober 2009 · Kommentar schreiben

noirWer die Schnauze voll hat von langatmigen Epen, die gezogen werden wie Kaugummi, um die Verkaufszahlen mit aller Kraft oben zu halten, sollte es unbedingt mal mit ein paar Shortstories versuchen. Dazu liefert Dark Horse Books mit ihrem neuen Sammelband „Noir“ heißen Stoff für schnelleres Lesevergnügen.

„Noir“ beinhaltet 13 mysteriöse Geschichten über die dunkle Seite des Lebens, wobei nichts ausgelassen wird: Betrug, Rachemord, sexuelle Nötigungen, Suizide und aus Versehen mal den Falschen umgelegt. Dieser Band umfasst eine große Bandbreite jeglicher dunkler Aktivitäten und präsentiert dies in schockierend knapper und beeindruckender Form. Trotzdem muss man sich jetzt nicht abschrecken lassen von dem klar fokussierten Überthema des „dunklen“ Comics. Keine der Geschichten artet aus in gewaltdetaillierte Zeichnungen der Vergehen, der Blick des Betrachters wird seriös um die Ecke gelenkt, so dass ein bisschen Mitdenken und ein kurzes Erschließen der eigentlichen Situation von Nöten ist, um zu Erkennen was eigentlich gerade Furchtbares geschehen ist. Genau das erfreut die Herzen der mitfiebernden Krimifanatiker und ist in den meisten Shortstories sehr gut gelungen.

Erwähnenswert ist auch die Fülle der in „Noir“ vereinten Comicberühmheiten und insbesondere Zeichnern. An dieser Stelle sollte man zur Anregung Namen nennen: Brian Azzarello (100 Bullets), Gabriel Bá (Umbrella Academy), Alex De Campi (Smoke) und Jeff Lemire (Sweet Tooth) liefern ihr kriminelles Gedankengut und behängen „Noir“ mit ein paar Juwelen. So wird hier eine pikante Mischung aus verschiedensten Stilen und Menschen in schwarz-weiß präsentiert.

Meiner Meinung nach ist der Sammelband empfehlenswert und bietet eine schnelle und leichte, aber nicht oberflächliche Crimeerfahrung, die jeden Krimifan vollkommen befriedigen wird.

Auf Darkhorse Books kann man sich auch einen Einblick in das Werk gönnen.

-Till

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Fortgesetzter Heldenkampf: The Umbrella Academy Dallas

24. Oktober 2009 · Kommentar schreiben

umbrella

Gute Comics werden fortgesetzt. Das haben  auch Gerard Way und Gabriel Bá auf die Reihe gekriegt und den zweiten Paperback ihrer Reihe „The Umbrella Academy: Dallas“ mit Dark Horse Books auf den Markt geschickt, nachdem der erste Teil einen Eisner Award abgesahnt hat.

Handlungsmäßig geht das ab, was in einem Superhelden-retten-den-Tag-und-die-Welt-Comic abzugehen hat. Zwei sicher todbringende Killer sind den Heroes der Academy auf den Fersen, es wird durch die Zeit gereist und am Schluss jede Menge Hirnknoten gelöst, so dass die/der Leser/in ein Gefühl des Verständnisses für die Geschichte entwickeln kann. Eine typische Fortsetzung des Epos. Historische Bezüge wie die Verhinderung des Kennedymordes peppen alles ein wenig auf.

Die Geschichte hat mich jetzt nicht unbedingt übermannt und mir Freudentränen entlockt, aber für ein kurzes Staunen und Nicken nach beim Zuklappen des Bandes hat es gereicht.

Eigentlich gibt es nicht sonderlich viel Neues zu berichten: Das erschaffende Team der „Umbrella Academy“ bleibt das Gleiche und die Beiden haben eine gute, nicht überragende, aber solide Fortführung ihrer Reihe produziert. Natürlich hat der zweite Teil nicht mehr den Entdeckercharme des Anfangs, aber die Zwei haben genug verrücktes Gedankenmaterial zusammengetrommelt, um Leserspaß zu garantieren, wenn man sich darauf einlässt.

Fazit: „Umbrella Academy“ geht wie gewohnt weiter. Die gut durchdachte Story plätschert ohne große  Wellen zu schlagen dahin, doch die interessanten Charaktere und ihre kleinen schmutzigen Geheimnisse und Beziehungen haben Spaßpotenzial. Reinschauen lohnt sich.

-Till

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Das Mysterium der Osbornfrisur

22. Oktober 2009 · 3 Kommentare

Dank Steve Ditkos komischen Strichen, welche er in den 60ern auf die Köpfe von Norman und Harry Osborns zeichnete, stellen die Haarpracht der beiden für jeden Comicleser ein Mysterium da. In den aktuellen oftmals photo-realistischen Zeichnungen nimmt diese Frisur immer skurrilere Formen an, Welche einem mit der folgenden Frage allein lassen. Kann so eine Frisur existieren?

os_hair

Der republikanische Abgeordnete John Oxford gibt uns die Antwort. Welch grandiose Wahlkampfaktionen man doch mit dieser Frisur machen könnte. Bleibt nur die Frage, ob Comicgeeks eine wahlentscheidende Minderheit in seinem Bundesstaat Georgia sind =)

real_hair

Normon Osborn – The Hair Apparent

-Malte

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Endzeitjuwel: Ball Peen Hammer

13. Oktober 2009 · Kommentar schreiben

ball peen hammer

Heute habe ich ein wahres Juwel vorzustellen. „Ball Peen Hammer“ publiziert bei First Second Books ist der Einstieg von Adam Rapp, einem Autor und Geschichte(n)schreiber, in unsere famose Szene der bebilderten Kunst. Vorab kann ich sagen, dass ihm sein Debüt mehr als gelungen ist. Zeichnerisch umgesetzt hat George O’Connor Rapps Ideen.

Dieses kleine Kunstwerk spielt in Endzeit ähnlicher Atmosphäre. Menschen  sind geplagt von Seuchen, Hungersnöten und Kriegen, doch nichts davon wird offen gelegt. Das Elend lässt sich nur durch Andeutungen und kleine Hinweise erahnen. Die Handlung ist in zwei Stränge aufgeteilt. Man erlebt das Geschehen in einem als Unterschlupf dienenden Keller, in dem ein einsamer Musiker und ein Neuankömmling sich kennen lernen und langsam wird klar, dass sie nur dort verweilen dürfen, weil sie Teil einer mysteriösen Organisation sind, die blutige Geschäfte mit Kindern abwickelt. Andererseits verfolgt der Leser die Suche einer jungen Schauspielerin nach einem Mann, den sie im Untergrund getroffen hat und ihr Zusammentreffen mit einem den Umständen angepassten  Gaunerjungen, den sie beim Versuch der Selbstbefriedigung mit einer von ihr geklauten Melone erwischt.

Die Story ist erschütternd, durchdringt Mark und Bein und lässt so manchen Hoffnungsschimmer sterben, aber gerade deswegen wirkt sie so fesselnd. Das apokalyptische Feeling wird durch Erzählungen der Charaktere aufgebaut und fortschreitend wird der Schrecken der Außenwelt verdeutlicht. Doch ungeachtet der trostlosen Situation der Menschheit lassen die zwischenmenschlichen  Beziehungen und die Dialoge das Herz aufgehen. Zum Ende bleiben viele Fragen offen und man darf sich auf eine  Fortsetzung freuen.

Zu all dem Segen kommt die tolle grafische Umsetzung O’Connors. Seine filigranen Zeichnungen fangen sowohl die düstere Atmosphäre, als auch sonnigere Moment ein. Durch die vereinheitlichte klar strukturierte Form der Panelaufteilung  tritt die individuelle Gestaltung jeder Seite in den Hintergrund und man kann sich voll und ganz auf die Geschichte und den Inhalt konzentrieren.

Eigentlich gibt es da nicht mehr viel zu sagen außer: Kaufen, Lesen, kurze Schweigeminute beim Anblick eines solchen Wunderwerkes und Ende.

-Till

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Dreifache Zombischande: Zomnibus

6. Oktober 2009 · Kommentar schreiben

Für die Zombiliebenden Comicfreunde unter uns habe ich eine gute Nachricht zu verkünden: Es ist neuer Zombistuff in unsere literarischen Kreise eingedrungen. Der neue Band „Zomnibus“ von IDW beinhaltet gleich drei Geschichten, die in dieses fleischfressende Genre einsortiert werden dürfen.

feast„Feast“ (written by Shane Mccarthy; art by Chris Bolton, Enrique Lopez Lorenzana, Sulaco Studios) ist die Erste der drei Stories und relativ einfach gestrickt. Ein Bus gefüllt mit Schwerverbrechern hat eine Panne mitten in der Einöde und die gesamte Crew (Wächter und Kriminelle) macht sich auf den Weg, um Hilfe zu suchen. Sie latschen mitten in ein Zombidorf , erleiden unzählige tragische Verluste und treten tapfer gegen die Horden von Untoten an. Die Handlung wirkt lahm, ohne jegliche Spannung und auch verzweifelte Versuche, wie das Einfügen kleiner sexueller Schauspiele zwischen den verängstigten Akteuren und Akteurinnen können die Sache nicht mehr retten. Außerdem wirken die Zeichnungen oft sehr unproportioniert, was nach längerem Genießen dieser Lektüre anfängt zu stören.

eclipse of the undead

Die Story von „Eclipse of the Undead“ (written by El Torres, Sulaco Studios; art by Yair Herrera, Sulaco Studios) startet in einem notdürftigen Katastrophenlager, in dem Uninfizierte Schutz suchen und beschränkt sich auf die Flucht einer kleineren Gruppe zusammengewürfelter Überlebender aus dem langsam überwältigten Lager. Liebesdrama und einen weisen Samurai, der die Gruppe bereichert, gibt es inklusive zu dem ganzen heranstürmenden fleischlechzenden Pack. Diese Geschichte wirkt im Vergleich zu „Feast“ traumhaft gut. Der Schwerpunkt wird mehr auf die Charaktere an sich verschoben, welche durchaus interessant sind. Trotzdem bleiben alte Klischees erhalten. z.B. entflammt eine Liebe mitten in der Katastrophe, und fiese Bad Boys entpuppen sich zu eigentlichen Lebensrettern. Dadurch wird Langeweile gefördert.

zombies vs robotsLast but not least: „Zombies vs Robots“ (written by Chris Ryall; art by Ashley Wood) setzt sich klar ab von den anderen beiden Geschichten. Die Story lässt sich verkürzt so erklären, dass die Menschheit an einem Zombivirus zugrunde geht, die Roboter die Macht übernehmen, dann aber auch sie vom Virus befallen werden und am Schluss eine Gruppe überlebender Amazonen zusammen mit dem krassesten Kampfroboter ever den Showdown gegen die Infizierten ausrichten. Eigentlich ganz spaßig zu lesen, aber die verwischten  und krakeligen Zeichnungen (lasst euch nicht vom Cover täuschen) sind teilweise wirklich schwer zu erkennen, so dass daran der Lesespaß zu leiden hat. Trotzdem ist dieses Stück im Vergleich zu den anderen Beiden noch am besten gelungen.

Alles in Allem: Lieber nicht kaufen. Da wurden ein paar nicht ganz so starke Geschichten zusammengepfercht, um beachtet zu werden. Naja. Große Liebhaber könnten beim Lesen vielleicht ein bisschen mehr Spaß haben als ich.

Hier noch eine Preview von „Eclipse of the Dead“:

http://www.eagleonemedia.com/Preview/IDWZOME04P.pdf

-Till

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Cla$$war Movie in Arbeit

5. Oktober 2009 · Kommentar schreiben

io9 berichtet, dass das nächste Projekt der Mandeville Films Company, die aktuell den Surrogates Film produziert haben, eine Verfilmung des englischen Comics Cla$$war sein wird.

Published wurde die Serie von Com.x zwischen 2002 und 2004 und wurde Mitte diesen Jahres als Hardcover veröffentlicht. Grobe Zusammenfassung: Es geht um eine Gruppe von, von der US-Regierung erschaffenen Superhelden, von denen einer aus moralischen Gründen rebelliert.

Das klingt jetzt 2009 nicht unbedingt neu, war aber 2002 seiner Zeit vorraus. Kauf des Hardcovers ist hier nur sehr zu empfehlen. Einziger Nachteil: Es endet relativ offen. Aber diese News wird das hoffentlich in nährerer Zukunft ändern.

Surrogates Producers Create Superhero Classwar

-Ebo

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I call it my Chris wear

1. Oktober 2009 · 1 Kommentar

chris_wear

Nach langer Wartezeit ist nun endlich mein Chris Ware T-Shirt von Shirt.Woot angekommen. Und wie auf dem schicken Photo schwer zu verkennen, fühle ich mich in diesem geekigen Comicshirt ausgeglichen und glücklich. Bedenkt man, dass auf dem T-Shirt die chronisch melancholische Roboterfigur des chronisch selbst zweifelnden Comickünstler Chris Ware aus Chicago abgebildet ist, kommt einem der Gefühlsausbruch doch ein wenig… grotesk vor. Das der Erlös dieses T-Shirt einem wohltätigen Zweck zugute kommt lässt dieses unehrliche Gefühl jedoch schnell verschwinden. I call it my Chris wear =)

Wear this shirt: to support 826michigan,, the Great Lakes State chapter of 826 National. This non-profit project offers free workshops, tutoring, writing rooms, and other resources to students aged 6 to 18 who want to develop their creative and expository writing skills. The artist’s proceeds from this shirt will go to the Michigan chapter, housed in the world-renowned Liberty Street Robot Supply & Repair facility.

Don’t wear this shirt:
if you hate literature, or children, or learning, or the idea of a better future.

Shirt.Woot: Onward Robots! – by Chris Ware

-Malte

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Katastrophenverarbeitung: A.D. New Orleans

28. September 2009 · 3 Kommentare

adneworleansA.D. New Orleans after the Deluge von Josh Neufeld bietet eine Lektüre der Katastrophenaufbereitung mit Klasse. Neufeld verarbeitet seine Erfahrung als freiwilliger Helfer des Roten Kreuzes in New Orleans zunächst in seinem Buch „Katrina came Calling“, welches 2006 veröffentlicht wurde, um dann dieses Graphic Novel, das erstmals als Webcomic veröffentlicht wurde und jetzt als wunderschönes Hardcover in den Läden liegt, herauszubringen.

Die Handlung dieses noblen Werkes beschränkt sich auf die verschiedenen Erlebnisse von sieben Personen, die mit Hurrikane Katrina vor vier Jahren in Kontakt gekommen sind und beruht somit auf wahren Begebenheiten. Im Mittelpunkt steht die Schilderung des Sturms aus den verschiedenen Perspektiven der Beteiligten. Der Verlauf der Ereignisse damals ist genauso wie die Charaktere unterschiedlich gestaltet:

Denise, eine führungserfahrene Frau versucht ihre Mutter, das Haus und ihre Nichte mit Kind zu retten; das Pärchen Leo und Michelle muss zusehen  wie ihre Wohnung samt Comicsammlung im Wasser verschwinden; der Iraner Abbas und sein Kumpel Darnell campieren  nächtelang in seinem Geschäft, um später doch auf das Dach zu flüchten; Pfarrersohn Kwame flieht vorzeitig mit seiner Familie und muss fortan an ein völlig neues Leben beginnen; Doktor Brobson sieht den Hurrikanevorwarnungen mit seiner selbstveranstalteten Party am Abend des Eintreffens von Katrina gelassen entgegen.

Trotz der schockenden Geschichten geht der dokumentierende Charakter des Comics nicht verloren und vermeidet so die Ausartung in ein tränenüberflutetes Katastrophendrama. Die Cartoonhafte Darstellung gibt dem Leser die nötige Distanz.

Der erste Eindruck des Comics schien für mich anfänglich kontrovers. So wirken die Zeichnungen auf den ersten Blick recht freundlich mit runden, dicken und klaren Linien und auch die farbige Kolorierung unterstützt die „nette“ Erscheinung des Comics. Doch auf keinen Fall hält der freundliche äußere Eindruck von „A.D.“ davon ab das schwerere Thema zu vermitteln. Im Gegenteil die offene und einfache Zeichenart von Neufeld unterstützt die realitätsnahe Schilderung der Berichte der Zeitzeugen und sorgt für eine tolle Mischung des ernsten Inhaltes und der anschaulichen Form, in der er transportiert wird, so dass die Lektüre nicht zu schwer erscheint und leicht zu lesen bleibt.

Meiner Meinung nach hat Josh Neufeld mit A.D. einen guten Weg gefunden sein Wissen den Lesern zu übermitteln. Es geht unter die Haut, vermeidet jedoch diese grässliche Überdosierung an Elend, welche leider so oft bei Katastrophengeschichten den Blick des Lesers auf eine rein emotionale Ebene zieht.

-Till

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